Roggenbrot mit Sesam – Sauerteig-Roggenbrot-Rezept

Traditionelles deutsches Roggenbrot mit Sesamkruste. Schritt-für-Schritt-Sauerteigmethode mit wissenschaftlich fundierten Tipps zum Umgang mit klebrigem Roggenteig und für eine offene Krume.

Auf einen Blick

Schwierigkeit
mittel
Aktive Zeit
30 Minuten
Gesamtzeit
24 Stunden (inkl. kalte Führung)
Ergibt
1 Laib (ca. 900g)

Klassisches deutsches Roggenbrot mit einer Sesamkruste. Lange, kühle Fermentation baut Milchsäure auf, die den Roggenteig stabilisiert, Geschmack und Bekömmlichkeit verbessert und die enzymausgelöste Klebrigkeit reduziert, die für Roggenbrote typisch ist.[1][2][4]

✓ Sesamkruste für nussigen Crunch ✓ Kalte Führung für Geschmack und Struktur ✓ Konzipiert für fortgeschrittene Hobbybäcker

Nicht geeignet wenn:

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Zutaten

Wiege alle Zutaten auf einer digitalen Küchenwaage; Roggenmehl nimmt Wasser anders auf, daher ist Genauigkeit wichtig.[2]

Zutat Menge % Notiz
Roggenmehl (mittel) 420g 84% Type 1150 oder ähnlich; 20 % Roggen schroten bzw. verquellen (Scald) für eine bessere Krume möglich[2]
Weizenbrotmehl 80g 16% Gibt etwas Glutenstärke für die Verarbeitung
Wasser 400g 80% Warm 35–38°C. Roggen benötigt hohe Hydratation, wird aber klebrig sein[1][5]
Aktiver Roggensauerteig 120g 24% Schäumend 8–12 Stunden nach der Fütterung
Salz 12g 2.4% Nicht unterwürzen — Roggen braucht Salz für Geschmack
Sesamsamen 40–60g 8.4% Leicht anrösten für bestes Aroma[6]

Zeitplan

Entspanntes Wochenende

Starter aufbauen und am selben Tag backen mit langer Stockgare und kurzer kalter Führung

Tag 1 Vormittag Starter füttern (8–12 Std. vor dem Ansetzen)
Tag 1 Nachmittag Teig mischen (Autolyse optional bei eingesetztem Roggen-Scald) (10–15 Min.)
Tag 1 Nachmittag–Abend Stockgare bei 20–22°C (4–6 Stunden)
Tag 1 Abend Formen und in den Banneton legen
Tag 1 Nacht Kalte Führung im Kühlschrank (10–16 Stunden)
Tag 2 Vormittag Ofen vorheizen und backen (55–65 Min.)

Wochentags-Abkürzung

Abends mischen, am nächsten Abend backen

Abends 21:00 Teig mischen und kurze Stockgare (2–3 Std.)
Nacht 23:00 Formen und zum Kaltruhen in den Kühlschrank
Nächster Tag 17:00 Aus dem Kühlschrank nehmen und 30–60 Min. temperieren lassen
Nächster Tag 18:00 Backen (55–65 Min.)

💡 Tipps

  • Wenn die Stockgare zu schnell verläuft, den Teig in den Kühlschrank stellen, um Hefeaktivität zu verlangsamen und Roggenenzyme zu schützen[3][5].
  • Geformte Laibe können 24–48 Std. kalt stehen, um Geschmack zu verbessern und die Planung flexibler zu machen[7].

Schritt für Schritt

1

Starter vorbereiten und (optional) Scald herstellen

Stelle sicher, dass dein Roggensauerteig aktiv ist (schäumend, verdoppelt). Optional: 80g Roggenmehl mit 120g kochendem Wasser übergießen, abdecken und auf 30–40°C abkühlen lassen; Scald kontrolliert Enzyme und verbessert die Krumenstabilität bei hohen Roggenanteilen[2][4].

✓ Visueller Check: Scald wirkt dick und glänzend; Starter ist aktiv
⚠️ Häufiger Fehler: Den kochend heißen Scald direkt in den Teig geben — erst abkühlen lassen, um Fehlgeschmack zu vermeiden[3]

⏱ 30–60 Minuten bei Scald

2

Teig mischen

Vermische die Mehle (einschließlich abgekühltem Scald, falls verwendet) in einer großen Rührschüssel. Wasser zugeben und mischen, bis alles hydratisiert ist, dann Starter und Salz hinzufügen. Mit einem Teigschaber falten; kräftiges Kneten vermeiden — sanfte Faltungen sind besser für Roggens Pentosane, die bei Überarbeitung eine klebrige Matrix bilden[1][9].

✓ Visueller Check: Gleichmäßige, klebrige Masse ohne trockene Stellen
⚠️ Häufiger Fehler: Zu starkes Bearbeiten zur Glutenentwicklung — roggenhaltige Teige profitieren nicht von langem Kneten

⏱ 5–10 Minuten

3

Stockgare

Schüssel abdecken und bei 20–22°C fermentieren. Roggen braucht weniger Dehnen und Falten; führe 1–2 sanfte Coil-Folds oder slap-and-folds frühzeitig durch, wenn Weizenanteile vorhanden sind, um Struktur zu unterstützen, aber die Handhabung minimal halten[1][5].

✓ Visueller Check: Teig zeigt kleine Blasen und etwa 30–50% Volumenzunahme, Oberfläche glänzend

⏱ 4–6 Stunden (abhängig von Temperatur)

4

Formen und Kruste mit Sesam bestücken

Arbeitsfläche leicht mit Reismehl oder Roggenmehl bestäuben. Teig mit einem Teigschaber aus der Schüssel lösen. Vorsichtig zu einem Oval oder Bâtard formen — nicht stark entgasen. Oberfläche leicht anfeuchten und Sesam in den Teig drücken, damit er haftet, oder den geformten Laib in einem Tablett mit Samen wälzen. Mit der Naht nach oben in einen mit Reismehl bestäubten Banneton legen.[4][6]

✓ Visueller Check: Gleichmäßige Naht und gut haftender Sesam

⏱ 5–10 Minuten

5

Endgare (kalte Führung empfohlen)

Bei Raumtemperatur bis leicht gestiegen gehen lassen, dann 10–16 Stunden im Kühlschrank ruhen. Kalte Führung erhöht die Säure, was Roggenproteine und Pentosane während des Backens besser verhält und Klebrigkeit reduziert[1][2].

✓ Visueller Check: Stichprobe: Delle federt langsam zurück; nicht vollständig zurückgesprungen[4]

⏱ 1–2 Stunden Raumtemperatur + 10–16 Stunden Kühlschrank

6

Mit Dampf backen

Ofen auf 250°C mit dem Dutch Oven darin 30–45 Minuten vorheizen. Laib auf Backpapier setzen, mit einer Ritschenschneide einschneiden, in den Dutch Oven legen und abdecken. 15 Minuten abgedeckt backen, dann Deckel entfernen und Temperatur auf 200°C reduzieren und weitere 35–40 Minuten backen. Achte darauf, dass der Sesam nicht verbrennt — dunkelt die Saat zu schnell nach Deckelabnahme, Temperatur etwas reduzieren[7].

✓ Visueller Check: Tiefbraune Kruste, hohler Klang beim Klopfen; Kerntemperatur 96–98°C mit einem Kerntemperaturthermometer[3][7]

⏱ 50–60 Minuten

7

Vor dem Schneiden auskühlen lassen

Mit Ofenhandschuhen den Laib herausnehmen und mindestens 2 Stunden auf einem Gitter auskühlen lassen. Zu frühes Schneiden führt zu einer klebrigen Krume, weil Roggenstärken Zeit zum Setzen brauchen.[1][4]

✓ Visueller Check: Laib bei Raumtemperatur und Krume gesetzt

⏱ 2+ Stunden

Tipps & Variationen

Variationen

Angerösteter Sesam

Sesam in einer trockenen Pfanne leicht anrösten, bis er duftet, bevor er aufgebracht wird

→ Ausgeprägteres nussiges Aroma und Duft[6]

Kümmelzugabe

1 EL Kümmelsamen in den Teig geben

→ Traditionelle Geschmacksnote; mit Sesam für mehr Komplexität kombinierbar

Höhere Hydratation

Wasser auf 82–85% erhöhen, wenn frisch gemahlener Roggen verwendet wird

→ Weichere Krume, aber klebrigere Verarbeitung; Teigschaber und nasse Hände verwenden[5]

Profi-Tipps

  • 💡 Immer mit einer digitalen Küchenwaage wiegen; Wasseranpassungen machen den größten Unterschied bei Roggen.
  • 💡 Banneton mit Reismehl bestäuben, um Ankleben zu verhindern und das Übertragen zu erleichtern[4].
  • 💡 Wenn Sesamsamen beim Einschneiden abfallen, nach dem Einschneiden und vor dem Einschub erneut festdrücken.

Häufige Probleme

Häufige Probleme mit Roggensauerteig und wie man sie behebt:

Aufbewahrung

Brotkasten/Brotbeutel

4–6 Tage

Ganzen Laib aufbewahren; Schnittseite nach unten legen, um Feuchtigkeit zu halten

Küchentuch

3–4 Tage

In ein Leinentuch wickeln, um Durchweichen zu vermeiden

Einfrieren

3 Monate

Vor dem Einfrieren in Scheiben schneiden und Scheiben direkt gefroren toasten

⚠️ Kühlschrank vermeiden — er beschleunigt das Altbackenwerden durch Stärke-Retrogradation[4][5]

Quellen

  1. [1]
    Dirndl KitchenDeutsches Sauerteigbrot-Rezept (mit Roggen)Link
  2. [2]
    Humbly Homemade (My German Recipes)Deutsches Roggen-Weizen-Brot mit Sauerteig: MischbrotLink
  3. [4]
    German Culture (germanculture.com.ua)Roggenbrot – Traditionelles deutsches Roggenbrot-RezeptLink
  4. [5]
    Glossy Kitchen / GermancultureDie Kunst des deutschen Sauerteig-Roggenbrots meistern - Glossy KitchenLink
  5. [7]
    Quick German Recipes / CookpadRoggenbrot reines Sauerteig-Laib [Bäckereirezept]Link
  6. [9]
    Brotbackblog / GermancultureSauerteig-Roggenbrot mit Sesamsamen - BrotbackblogLink