Wiener Laib (Viennese Sourdough Loaf) – Rezept & Anleitung

Ein leichter, knuspriger Wiener Sauerteiglaib. Klarer Zeitplan, praktische Technikhinweise und wissenschaftlich fundierte Tipps für fortgeschrittene Hobbybäcker.

Auf einen Blick

Schwierigkeit
mittel
Aktive Zeit
45 Minuten
Gesamtzeit
18–24 Stunden
Ergibt
1 Laib (ca. 800 g)

Der Wiener Laib ist ein leichter, hochhydrierter Sauerteiglaib im Stil der Wiener Backtradition: offene Krume, dünne knusprige Rinde und milde Säure. Lange, kontrollierte Fermentation entwickelt Geschmack und hält das Brot zart sowie gut schneidbar.

✓ Dünne, knusprige Kruste mit offener Krume ✓ Vorteige verbessern Textur und Geschmack ✓ Flexibler Zeitplan für beschäftigte Bäcker

Nicht geeignet wenn:

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Zutaten

Wiegen Sie alle Zutaten auf einer Küchenwaage. Genauigkeit ist wichtig für Hydratation und Krumenentwicklung; verwenden Sie die untenstehenden Mengen als Bäckerprozente bezogen auf die Mehlmenge.

Zutat Menge % Notiz
Weizenbrotmehl (stark, hell) 450 g 100% Sorgt für eine leichte, elastische Krume
Wasser 330 g 73% Zimmertemperatur; ggf. leicht an Mehlaufnahme anpassen
Aktiver, reifer Sauerteig (100% Hydratation) 90 g 20% 4–6 Stunden vor Verwendung gefüttert, aktiv und blubbrig
Salz 9 g 2% Verleiht Geschmack und stärkt das Gluten
Olivenöl (optional) 10 g 2% Gibt eine weichere Krume und längere Frische

Zeitplan

Übernacht-Vorteig (empfohlen)

Entwickelt Geschmack ohne lange Tagesarbeit

Abend 20:00 Vorteig mischen (Sauerteig + 100 g Mehl + 90 g Wasser), über Nacht 8–12 Std. reifen lassen
Morgen 08:00 Autolyse: restliches Mehl und Wasser mischen, 30–60 Min. ruhen lassen
Morgen 09:00 Vorteig in den Teig einarbeiten, Salz und Öl zugeben, 5–8 Min. mischen
Morgen 09:15–12:00 Stockgare mit 3 Serien Coil-Folds alle 30 Min., dann ausruhen lassen
Nachmittag 12:30 Vorsichtig vorformen und 20 Min. Stückgare auf dem Tisch
Nachmittag 13:00 Endform zu einem länglichen 'Wiener' Laib formen und 1,5–2 Std. Stückgare (oder im Kühlschrank bis zu 12 Std. retardieren)
Backen Ofen vorheizen und nach Anleitung backen (40–50 Min.)

Tagesbäckerei (ohne Vorteig)

Schneller, weniger komplex im Geschmack

Morgen 08:00 Sauerteig füttern, damit er am Nachmittag aktiv ist
Nachmittag 14:00 Teig mischen, Autolyse 30–60 Min.
Nachmittag 15:00 Sauerteig und Salz einarbeiten; Stockgare 4–5 Std. mit Faltungen
Abend 19:00 Formen und Endgare 1–2 Std., dann backen

💡 Tipps

  • Wenn die Fermentation zu schnell geht, den Teig kühlen, um die Aktivität zu verlangsamen — Retardierung im Kühlschrank ist effektiv
  • Müssen Sie das Backen verzögern, bleiben geformte Laibe im Kühlschrank bis zu 48 Std. ohne größeren Qualitätsverlust

Schritt für Schritt

1

Vorteig vorbereiten (optional)

Sauerteig mit 100 g Mehl und 90 g Wasser vermischen, um einen Levain/Vorteig zu erzeugen. Abdecken und bei Raumtemperatur stehen lassen, bis er blubbert (4–12 Std. je nach Temperatur). Ein reifer Vorteig gibt besseren Ofentrieb und harmonischeren Geschmack.

✓ Visueller Check: Blubbernde Oberfläche, Volumenzunahme ca. 30–50 %
⚠️ Häufiger Fehler: Unteraktiver Vorteig → schwache Fermentation und geringer Ofentrieb

⏱ 4–12 Stunden

2

Autolyse

Restliches Mehl und Wasser in einer großen Rührschüssel kombinieren und 30–60 Minuten ruhen lassen. Autolyse verbessert Glutenbildung und Dehnbarkeit des Teigs, wichtig für eine offene Krume bei Wiener Broten.

✓ Visueller Check: Teigoberfläche glättet sich und wirkt zusammenhängend
💡 Erster Hinweis auf Mischwerkzeuge: Verwenden Sie einen Teigquirl oder Ihre Hände

⏱ 30–60 Minuten

3

Mischen und entwickeln

Vorteig (oder Sauerteig) zum autolysierten Teig geben und einarbeiten. Salz und Olivenöl zufügen, dann während der ersten 90 Minuten der Stockgare 4–6 Serien Coil-Folds oder sanfte Stretch-and-Folds durchführen. Verwenden Sie einen Teigschaber, um den Teig sauber zu handhaben.

✓ Visueller Check: Teig wird elastischer, Oberfläche glatter
⚠️ Häufiger Fehler: Zu frühes und intensives Kneten statt Falten → dichtere Krume

⏱ 10–20 Minuten insgesamt für Einmischen und Faltungen

4

Stockgare

Die Schüssel abdecken und den Teig gehen lassen, bis er 30–50 % größer ist und sichtbare Blasen zeigt. 21–24 °C ist ideal für ausgewogenen Geschmack. Zeiten für wärmere oder kühlere Räume anpassen — in warmen Räumen schneller, in kühlen langsamer.

✓ Visueller Check: Teigkuppel bildet sich, Blasen unter der Oberfläche sichtbar

⏱ 3–6 Stunden je nach Temperatur

5

Formen

Teig auf eine leicht bemehlte Fläche geben (verwenden Sie den ersten Hinweis auf den Teigschaber). Vorsichtig rund vorformen, 15–20 Min. ruhen lassen, dann zu einem länglichen 'Wiener' Laib formen. Mit der Naht nach oben in eine leicht bemehlte Leinenlage (couche) oder auf Backpapier für die Endgare legen.

✓ Visueller Check: Oberflächenspannung vorhanden, glatte Naht

⏱ 15–20 Minuten

6

Stückgare (Endgare)

Bei Raumtemperatur gehen lassen, bis der Teig gerade noch leicht untergare ist — der Teig sollte beim Eindrücken nur langsam zurückfedern. Zur besseren Geschmacksentwicklung kann der Teig 8–12 Std. im Kühlschrank retardiert werden. Retardierung strafft den Teig leicht und verstärkt das Aroma.

✓ Visueller Check: Fingerprobe: langsame, teilweise Rückfederung

⏱ 1–2 Stunden bei Raumtemperatur oder 8–12 Std. im Kühlschrank

7

Backen

Ofen auf 250 °C mit einem Dutch Oven oder einer Glocke vorheizen, 30–40 Min. Das Brot auf Backpapier setzen, mit einer Brotlame einschneiden, in das heiße Gefäß legen, 15–20 Min. mit Deckel backen, dann Deckel entfernen und auf 200 °C reduzieren und weitere 20–25 Min. backen, bis die Kruste tief karamellisiert ist. Mit einem Sofortlesethermometer eine Kerntemperatur von 96–99 °C prüfen für durchgebackene Krume.

✓ Visueller Check: Gleichmäßig dunkelgoldene Kruste, hohler Klang beim Klopfen

⏱ 35–50 Minuten

8

Abkühlen

Auf ein Gitter legen und mindestens 90 Minuten vollständig auskühlen lassen, bevor Sie schneiden — zu frühes Anschneiden führt zu einer klebrigen Krume. Zum Umgang mit heißen Gefäßen Topfhandschuhe verwenden.

✓ Visueller Check: Laib nicht mehr warm, Krume gesetzt

⏱ 90–120 Minuten

Tipps & Variationen

Variationen

Wiener Laib mit Sesam

Vor dem Einschneiden mit Wasser bestreichen und 20 g gerösteten Sesam darüberstreuen

→ Verleiht nussigen Geschmack und optische Attraktivität

Olive und Kräuter

60 g gehackte Oliven und 1 EL gehackten Rosmarin beim Formen unterarbeiten

→ Herzhafte, mediterrane Variante

Niedrigere Hydratation

Wasser um 20–30 g reduzieren für einfacheres Handling

→ Dichtere Krume, leichteres Formen für Anfänger

Profi-Tipps

  • 💡 Wiegen und alle Zutaten auf Ihrer digitalen Küchenwaage markieren, bevor Sie beginnen, um den Ablauf zu beschleunigen
  • 💡 Verwenden Sie einen Banneton oder eine Leinenlage für eine gleichmäßige Form während der Gare
  • 💡 Schneiden Sie entschlossen mit einer Brotlame — flache Schnitte schließen sich beim Backen, tiefe Schnitte kontrollieren die Teigausdehnung

Häufige Probleme

Wenn etwas schiefgeht, sind das häufige Ursachen und schnelle Abhilfen:

Aufbewahrung

Papiertüte bei Raumtemperatur

2–3 Tage

Aufgeschnittene Seite nach unten legen, um Austrocknen zu reduzieren

Stoffbeutel oder Brotkasten

3–5 Tage

Leichten Luftaustausch ermöglichen, damit die Kruste knusprig bleibt

Einfrieren

3 Monate

Vor dem Einfrieren in Scheiben schneiden und gefrorene Scheiben toasten

⚠️ Kühlschrank vermeiden; er beschleunigt das Austrocknen durch Stärke-Retrogradation und macht die Krume schneller zäh

Quellen

  1. [1]
    The Perfect LoafThe Perfect LoafLink
  2. [2]
    PlötzblogPlötzblogLink